„Dat Ole Huus“ erzählt seine Geschichte (1)

Die Geschichte des „Olen Huus“ wurde von 2005 bis 2006 in 11 Teilen  in „Unser Stelle“ erzählt.

Teil 1 aus „Unser Stelle“ 2/2005

Ich, Dat Ole Huus, erzähle meine Geschichte

Ich bin dat Ole Huus von Ashausen und stehe an markanter Stelle im alten Dorf, direkt an der Scharmbecker Straße, Ecke Holtorfsloher Weg.
Dat Ole Huus (1) mit Logo
Ich wurde etwa vor 200 Jahren errichtet. Mein genaues Geburtsdatum habe ich vergessen. Auch über meine „Eltern“ weiß ich nicht mehr viel. Ich glaube, es war ein bis dahin leibeigener Bauer gewesen, der sich endlich ein bisschen selbständig machen konnte. Denn es war die Zeit der Napoleonischen Kriege vorbei. In den deutschen Ländern wurden die Bauern endlich frei. Was ihnen aber fehlte, war das Geld. Deshalb konnten sie oft nur kleine Landflächen erwerben und sich nur einfache Häuser bauen. Auch ich bin so eine bescheidene Abbauernstelle, ein Haus mit dem notwendigen Grundriss für die Nebenerwerbsbauer und für seine Familie: eine Deele mit den Stallungen für die Tiere rechts und links, ein Querflur, das Flett. Hier steht der Dingen, der einzige Ofen, dessen Rauch unter mein Dach zog und durch eine kleine Öffnung im Giebel hinaus. Der Rauch diente sowohl der Imprägnierung meines Daches als vor allem auch der Räucherei von Fleisch und Wurst. Den Geruch könnt ihr euch gar nicht vorstellen! Mich nennt man deshalb auch Rauchhaus.
Hinter dem Flett liegen zwei kleine Kammern, die Döns, Zimmer mit den Schlaf-Schränken, den Butzen, die teilweise erhalten sind. In ihnen schliefen „meine“ Leute eng aneinander gekuschelt auf Strohsäcken, die Alten mit den Jungen. Oft schlief auch jemand bei den Tieren, die die Menschen im Winter wärmten, wenn die Holzbalken im Haus morgens mit Reif überzogen waren und Eisblumen die kleinen Fensterscheiben undurchsichtig machten.

Mein Erhaltungszustand ist nach 200 Jahren sehr unterschiedlich, aber Dr. Wiese vom Kiekebergmuseum hat mich in einem Gespräch als „hochgradig erhaltenswert“ eingestuft. Ganz nett von ihm und sehr „aufbauend“ für mich. Mancher Mensch wäre über so ein Lob auch glücklich. Mir fehlt nur noch die Kosmetik! Trotzdem darfst du mal vorbeikommen und mich ansehen.

Dein Oles Huus

zu Teil 2

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