Ich, dat Ole Huus, erzähle meine Geschichte (8)

aus „Unser Stelle“ 10/2005

Heute muss ich ein bisschen passen. Schlimm, wenn man älter wird! Ich überlege seit einiger Zeit, wer mich erbaut und wer im Verlaufe von ca. 200 Jahren unter meinem Reetdach gewohnt hat. Gar nicht so leicht.

Wer weiß mehr?

Richtig bewohnt wurde ich ja nur etwa 100 Jahre. Der Abbauer, der mich erbaute, war ein Landwirt im Nebenerwerb. Abbauern besaßen im allgemeinen nur wenig und nicht sehr wertvolles Land. Vermutlich konnten sie einen Teil des Landes von einem Bauer erwerben. Das Vieh wurde aus Mangel an genügend Weideland an den Straßen- und Wegesrändern geweidet, die die Gemeinde verpachtete. Das Hüten der Rinder und Ziegen übernahmen die Kinder und Altenteiler. Als Zubrot und oft als Haupt-Erwerbsquelle verdienten sich meine Leute Geld als Viehhändler. Hießen sie nun Dittmer? Auf jeden Fall Müller. Müllers wohnten wohl schon seit dem 30-jährigen Krieg im Ort und dann im Olen Huus. Um 1880 mietete ein Heinrich Neven einen Raum an der Ostseite mit Keller und Flett-Teil, um Lebensmittel zu verkaufen und einen Biervertrieb bis weit in die Heide zu betreiben.

Daraus entwickelte sich übrigens der spätere Edeka-Laden am Osterberg, der heute ein beliebtes Café beherbergt. Eine Schwester dieses Heinrich heiratete einen Heinrich Müller, ebensfalls einen
Viehhändler, den Großvater vom späteren Bürgermeister Walter Neven.
Um 1900 kam eine neue Zeit, in der es meinen Heinrichs aufgrund ihres Fleißes und des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs deutlich besser ging als vorher. Deshalb bauten sie sich ja das
schöne neue Haus direkt neben mir und zogen um. Aber der Übergang vom „niederdeutschen Einheitshaus“ mit Wohnteil und Stall zu einem Gebäude ohne Funktion erfolgte erst allmäh-
lich.
Für Wagen, Gartengeräte, Fahrräder, Dünger, vor allem für das Vieh war ich immer noch gut genug. Das war in Kriegs- und Krisenzeiten besonders zu merken und ging bis nach dem 2. Weltkrieg so weiter. Inzwischen hatte ein Albert Röhrs die letzte „Müllerin“, die später im Volksmund nur „Tante Thea“ hieß, geheiratet. Als sie zwischen 1995 und 1997 starben, war ihre Enkeltochter Britta, verh. Muth, meine
letzte Besitzerin, bevor ich in die Obhut des Heimatvereins Ashausen überging.

Wer mir am liebsten war? Die Kinder! Mit ihnen war immer Leben in der „Bude“. Und was wären Altenteiler ohne sie gewesen? Arme, ein-
same Menschen!

zu Teil 9

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